zeughaus1 Die Zeughausruine ist nur noch ein bescheidener Rest des mächtigen Arsenals mit 400-jähriger Geschichte. Sie ist umgeben von den in den 60-er und 70-er Jahren errichteten Gebäuden der Max-Eyth-Schule. In das Denkmalbuch der Stadt Kassel ist dieses Bauwerk aus der Zeit Landgraf Wilhelms IV. als “Kulturdenkmal aus künstlerischen und geschichtlichen Gründen” eingetragen. 
Foto aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg (Carl Eberth)  

 

 zeughaus2 Von 1991 bis 2009 hat der Verein Zeughaus durch die Beiträge seiner Mitglieder und durch das Sammeln von Spenden die Erhaltung der Zeughausruine ermöglicht und ihren Ausbau gefördert.
 Foto aus dem Jahr 1987 (D. Blum)  

 

Literaturhinweis:

Boris Krüger und Volker Mueller, beide Geschichtslehrer an Kasseler Gymnasien, haben im Auftrag des Vereins Zeughaus ein Buch herausgegeben, in dem die Geschichte des Kasseler Zeughauses anhand von über 30 Bildern und Dokumenten dargestellt wird.

 

Das Buch wendet sich an alle, die sich für die Geschichte unserer Stadt interessieren. Die Bilder und Fotografien sind in sehr guter Qualität wiedergegeben, so dass das Buch jeden erfreuen wird, der sich mit der Stadt Kassel verbunden weiß.

 

1.10.1 Bild zeughaus Buch

DAS ZEUGHAUS IN KASSEL

Bilder aus seiner Geschichte

Kassel: Verlag M. Faste 2004

7,50 €

Das Buch ist im Sekretariat der Max-Eyth-Schule erhältlich.

 

Landgraf Wilhelm IV.

Landgraf Wilhelm IV. (1567-1592)

 

Die lateinischen Verse geben Aufschluss über den doppelten Zweck des Gebäudes als Arsenal und Proviantmagazin der Stadt:

 

AVSPICIIS EST STRVCTA DEI DOMVS ALTA PARENTIS

WILHELMI PRAESTANS PRINCIPIS ISTVD OPVS.

ANXIVS HIC NOSTER POPVLVS SOLAMEN HABEBIT,

QVOD DEVS AVERTAT, SI PREMAT ACRE MALUM

CVM FVRIT HOSTIS ATROX, AEDES TVNC ARMA MINISTRANT.

ET FRVMENTA SIMVL DANT DOMINANTE FAME.

NOS TEGAT ALMA MANVS DIVINI NVMINIS OMNES.

OMNES EXSATVRET NOS BENEDICTA MANVS.

 

 

 

Unter des Höchsten Schutz erwuchs zu gewaltigem Baue

Hier dies stolze Werk meines fürstlichen Vaters Wilhelm.

Trost wird unser Volk in großer Not hier finden,

Wenn, was Gott verhüt’, Unglück heimsucht das Land.

Wütet grausam der Feind, dies Haus birgt Waffen zur Abwehr;

Lebensmittel zugleich in Hungersnöten gewährt es.

Mög’ uns beschirmen all’ die gütige Hand des Höchsten,

Möge der gütige Gott von uns wehren die Not!

[Nachdichtung : Karl Knetsch]

 

Eine neuere Darstellung der Politik Landgraf Wilhelms IV. gibt Volker Press in: Walter Heinemeyer (Hrsg.): Das Werden Hessens, Marburg: N. G. Elwert 1986, S. 267ff.: Hessen im Zeitalter der Landesteilung: Veröffentlichungen der historischen Kommission für Hessen, Band 50.

 

 

Das Gewölbe

Ein Blick in das Gewölbe

gewoelbe

 

Vom Inneren des Zeughauses gibt es nur wenige Aufnahmen. Das Foto aus den 20-er Jahren zeigt das Kreuzgewölbe des Erdgeschosses. In der Zeit nach dem I. Weltkrieg war das Zeughaus zeitweilig als Lagerraum an Kasseler Handwerksbetriebe vermietet, daher die Unterteilungen in dem Gewölbe. Der Boden war gepflastert, dieses ursprüngliche Pflaster ist in der Ruine noch erhalten. Darunter befindet sich ein weiterer Boden aus massiven Sandsteinplatten.

Die Kaserne

 

Das Luftbild zeigt die Front des Zeughauses an der Artilleriestraße. Auf der linken Seite (Norden) schließt an das Zeughaus der Komplex der Artilleriekaserne, der von 1823 bis 1826 errichtet wurde.

Ein englisches Aufklärungsfoto vom 30.Oktober 1943 zeigt das Ausmaß der Zerstörung dieses Stadtgebietes. Der Bereich der Artilleriekaserne mit dem Zeughaus ist mit 22 gekennzeichnet.

 

ausgebombt

Die Ruine

 

 

Das Zeughaus wurde bei dem großen Angriff auf Kassel am 22. Oktober 1943 von Brandbomben getroffen und brannte aus. Man beachte den erheblich größeren Grad der Zerstörung besonders auch der Südseite (Torseite) heute: vermutlich aus Sicherheitsgründen sind nach 1944 große Teile des Mauerwerks abgetragen worden.

Der Abriss

 

1972 wurden zwei Drittel der Zeughausruine abgerissen, um Platz für den Neubau eines Teils der Max-Eyth-Schule zu gewinnen. Dass mit diesem Abriss ein bedeutendes Bauwerk der Stadtgeschichte zerstört wurde, scheint nicht gestört zu haben. Zu dem unteren Bild vergleiche man die Hessische Allgemeine vom 22. Dezember 1972:

“Der Nachwelt erhalten wird beim Abbruch der Zeughausruine ein wertvolles Sandsteinrelief. Dieses kulturhistorisch wertvolle Stück aus dem 16. Jahrhundert wurde gestern sorgfältig geborgen.”

 

‹ zurück